Karpfenangeln an der Rhone

Zunächst fuhren wir die ersten 400 km und machten an einem Stausee in Frankreich halt. Ich holte mir nötige Infos über die Begebenheiten vor Ort und verbrachte den weiteren Tag mit meiner Tochter am See. Gerne checke ich gewisse Dinge im Vorfeld bevor ich ein neues Gewässer befische. Dieser Stausee steht für meine nächste Tour auf meinem Zettel. Am frühen Dienstagmorgen ging es dann für uns weiter Richtung Süden, Zielort war die Rhone die wir dann am frühen Abend auch erreichten.

Es war Kanonen heiß und das Thermometer zeigte mir eine Wassertemperatur von 28,5°an. Der Aufbau gestaltete sich ebenso schwierig und ging nur langsam vor ran, so schlug ich beinahe jeden 2ten Hering krumm da der Boden Mega trocken war. Es war bereits 21 Uhr als die Montagen gerichtet waren und ich die erste Rute an ihren Bestimmungsort brachte. Die Plätze waren schon im Vorfeld klar, da ich den Spod bereits aus früheren Zeiten kannte und schon einmal befischt hatte. Steinharte Fischkugeln sollten es an der Rhone richten. Angereichert war der Mix mit Seidenraupen und Bachflohkrebsen zudem viele Sämereien für eine schön grobe Struktur. Bei den Größen kamen drei verschiedene zum Einsatz. Die kleinsten mit 20mm zudem 24 mm und 32 mm. Wobei ich die kleinen Kugeln nur an den ersten beiden Tagen fütterte und ich mich danach gänzlich auf die größeren in 24mm und 32 mm beschränkte.

Um möglichst schnell Fisch auf die Plätze zu bekommen fütterte ich pro Rute noch 2 Kilo Pellets zu. Das Endgame sah so aus: Ich Fischte auf allen Ruten ein Kombi Rig 6 Haken mit Doppelkugel in 24 mm fertig… 22 Uhr alle Montagen lagen. 2 der 4 Ruten legte ich auf bzw. am Fuß der Sandbank am anderen Ufer ab, hieß aber auch ich musste die Schnur auf Höhe der Fahrrinne absenken, damit sie nicht von vorbei fahrenden Schiffen kassiert wird. Soweit so gut der Plan ging auf, und die erste Rute am anderen Ufer pfiff bereits nach 2 Stunden ab. Im Drill war mir schon recht früh klar was mich da am anderen Ende erwarten würde und der erste Glattmann konnte nach 15min. gelandet werden 130 cm zeigte das Maßband.

Raus aus dem Bivvy - Der Erste Rhone Karpfen

Der nächste Lauf um 2 Uhr in der Früh und nun fand auch der erste Karpfen den Weg ins Netz, 11kg brachte dieser auf die Waage. 2 weitere Fische verlor ich leider, sie kappten mir das Vorfach, einfach auf der Kauleiste durchgescheuert… Das dies größere Welse waren stand natürlich fest. Sie klebten im Drill am Boden bewegten sich nur langsam und irgendwann war dann halt Feierabend. Ich entschied mich für die Zeit an der Rhone die Pellets im Auto zu lassen und mich nur auf Kugeln zu beschränken. So gerne ich die Waller auch habe aber jede Nacht 2-3 Fische zu fangen war nicht unbedingt mein Ziel ich wollte ja Karpfen fangen. Die Wels Aktionen nahmen von nun an ab vereinzelt fing ich noch den einen oder anderen aber nie mehr als 1 Wels pro Nacht.

Der Spod brachte jede Nacht Fisch nur leider passten die Gewichte nicht und eine Veränderung musste her. Ich entschied mich umzuziehen und so machten wir uns nach drei Nächten an diesem Spod auf den Weg und zogen hoch an die Spitze zur Mündung. Hier war die Rhone breiter mehr Sauerstoff und die Wassertemperatur nicht ganz so hoch. Auch für uns ein großer Vorteil wir hatten endlich Schatten unter Bäumen und mussten nicht bei 40° unterm Schirm hocken oder den halben Tag im Wasser verbringen. Neue Plätze waren auch schnell gefunden und die Ruten verteilt. Flussfischen hat für mich auf jeden Fall seine Reize und ich liebe diesen Scheiß. Ein Fluss mit diesen ausmaßen zu befischen macht wirklich Laune ist aber auch bedeutend schwieriger, ständig neue Situationen und so hatten wir an diesem Spod mit Unterströmung zu kämpfen. 350 Gramm Bleie konnten nun doch die Montage am Platz halten auch wenn sie noch minimal wandert blieb sie kurz darauf an der Kante hängen und wir konnten sicher sein das die Fische dort Fressen würden.

Auch hier zeigte sich das gewohnte Bild. Erste Nacht ein kleiner Waller von einem Meter sowie ein kleiner Karpfen. Ich erhöhte nun die Futtermenge noch einmal und fischte von nun an 32 mm Kugeln. Ich hatte ja nur noch 2 Nächte Zeit, also noch 2 Chancen und wollte unbedingt noch meinen 15 kg plus Rhone Karpfen fangen. Anna Lena sagte mir sie würde ihr Handy vermissen, war sich aber sicher es ins Auto gepackt zu haben naja weg kann es ja nicht sein, hatte ich doch den alten Platz vor der Abfahrt sorgsam kontrolliert und machte mir zunächst mal keine Gedanken wo das Ding sein könnte. Irgendwann im laufe des Abends holte ich eine Flasche Apfelschorle aus dem Karpfensack der zum „kühlen“ im Wasser lag. Was ich zudem sah war das Handy meiner Tochter…Verdammt…

Es gibt gute Plätze für Elektro Geräte und totale scheiß Plätze. Und dieser Platz war mit Abstand der der am bescheidensten war. Das Handy inne fritten… langes Gesicht bei Anna Lena… der Abend konnte nur noch besser werden…. Das wurde er dann Gott sei Dank auch und ich konnte um Mitternacht einen schönen Schuppi mit 13 Kilo fangen sowie einen Welse von 135cm. Der letzte Tag brach an es wurde windiger das ablegen der Montagen gestaltete sich schwieriger und ich musste nochmal alles in die Waagschale werfen. Gegen den Wind 350 Ruderschläge bis zum Spod und 350 wieder zurück mal vier Ruten sind 2800 Ruderschläge die Arme wurden länger und länger kein Spaß bei diesem Wind. Aber naja so ist das halt…

Gegen Mittag war alles wieder gerichtet und die Montagen lagen. Wie jeden Tag verbrachten wir auch den letzten Tag hier mit zocken und spielen. Es ist etwas anderes ob man mit einem Kind auf Tour fährt, oder mit einem Freund der selber fischt! Der Fokus liegt klar beim Fischen, aber gewisse Momente da zählen auch mal andere Dinge… Um 17 Uhr bekam ich den nächsten Lauf und ich sprang ins Boot dem Fisch entgegen dies war meine Chance ich merkte gleich das dieser Fisch ein besser war.

Angeln in Frankreich - Flussangeln an der Rhone

Der Wind blies immer noch heftig und verstärkte sich desto weiter ich Richtung Rhone Flussmitte kam… Rudern Drillen, Rudern Drillen lustig muss das schon ausgesehen haben aber dieses war es nun wirklich nicht! Wer selber schon mal einen Flusskarpfen gedrillt hat weiß was diese Tiere für eine Power haben. Der Wind trug das übrige dazu bei, das lautes fluchen nicht ausblieb ich bekam den Fisch nicht wirklich unter Kontrolle und war schon am anderen Ufer als ich nach einem Ast griff um das Boot daran festzumachen. Ast gebrochen, der erste, der zweite, der dritte nur morsche scheiße, ein kleines grünes Zweiglein hing über ich schnappte mir diesen und biss mich daran fest nur so konnte es klappen.

Der Plan ging auf und der Fisch kam näher, 2 kurze fluchten noch und der Fisch lag im Kescher. Ein schöner Fisch nicht wirklich gut genährt aber voller Power. Die Waage zeigte mir das Gewicht von 16,0 kg. Anna Lena machte noch schnell eine Serie von Fotos und der Fisch konnte wieder schwimmen. Chance genutzt und minimal Ziel erreicht. Im groben und ganzen gut gefangen nur die Gewichte hätten höher ausfallen dürfen. Ist halt Sommer und kein Frühjahr oder Herbst. Die letzte Nacht brachte noch einen kleinen Wels und wir packten am Morgen zusammen.

Mit dem Schirmzelt unterwegs an französischen Stauseen

Die Lebensmittel mussten aufgestockt und das Auto betankt werden. Kurzer Stopp bei MC Donalds und weiter ging es zum großen Stausee. Boote aufgepumpt beladen und ab geht’s Richtung Inselplatz. Um 20 Uhr am Abend hatten wir alles wieder am Start neue Rig´s gebunden und Plätze gelotet. Ich hatte mir nun erhofft das, das hier schön Easy werden würde locker fischen die letzte Woche und entspannt nach Hause…Scheiße da hatte ich mich mal schön getäuscht…Aber erst mal Feuer frei und Ruten raus…

Auf jede Rute 3 Kilo Pellets und 2 Kilo Kugel sollte für den Anfang genügen. Schnell waren wir am Abend in unserem Zelt verschwunden und legten uns Pennen. Die Nacht über blieb es wie erwartet ruhig. Erst um 10 Uhr bekam ich den ersten Lauf ein kleiner Spiegler machte den Anfang am Stausee. Gegen Mittag drehte ich die Montagen rein und musste feststellen das die Kugel bis auf minimale runtergefressen waren die Krebse hatten ganze Arbeit geleistet. Fortan checkte ich die Ruten alle 6 Stunden. Ich hatte zudem Hook Baits im petto die mit einem extrem hohen Anteil an Eggalbumin versehen waren und gut funktionierten. Der zweite Tag neigte sich schnell dem Ende und ich konnte bis zum Folgemorgen 4 weitere Fische fangen nur leider wieder keine Riesen. Nun hieß es nochmal alle Rigs runter und neue gebunden. 24 mm plus 16 mm Pop up sollte nun zum Einsatz kommen.

Die dritte Nacht brach an und bis zum Morgen war Ruhe um 9 Uhr der nächste Lauf 13 Kg Schuppi! Es geht aufwärts mit den Gewichten wenn nur langsam aber immerhin. Um 11 Uhr bekamen wir Besuch von einem Belgier der auch auf Karpfen fischte er erzählte uns, dass sie bis dato auch nur kleine gefangen haben und morgen abreisen würden. 3 Nächte hatte ich nun noch vor mir ein Platzwechsel kam für mich nicht in Frage. Ich war der Überzeugung das schon noch der eine oder andere bessere Fisch hier stehen würde, aber die wollten noch nicht wirklich ans Band. Windig war es bei uns schon seit zwei Tagen und der Wind drückte direkt auf unsere Insel , der Plan sollte nun wie Folgt aussehen noch mehr Lockwirkung durch Pellets breit gestreut mit Fokus auf dem Futterplatz. Ich hatte noch fast den gesamten Vorrat an Pellets am Start und so machte ich mich daran alle 2 Stunden rauszufahren und zu Füttern.

Die Folgenacht brachte nun die ersten Erfolge 13,5 und 14,5 kg konnten am Morgen abgelichtet werden. Und am Abend gelang es mir um 17 Uhr den ersten Fisch mit 15 kg zu fangen. In der vorletzten Nach fing ich noch einen langen Schuppi mit 16 Kg . Der letzte Tag brach nun an und Lenchen durfte natürlich auch ab und an einen Fisch drillen und fing noch einen kleinen Schuppi gegen Mittag. Da stand nun Papa hinter der Kamera und machte Fotos, glückliches Kind auch ohne Handy und Internet. Am frühen Abend lief eine der Ruten erneut ab und nach einem tollen Drill konnte ich mich über einen zwei farbigen Spiegler freuen er brachte 16,5kg auf die Waage. Dieser war das Highlight am Stausee gewesen. Ich freute mich sehr über diesen Fisch da ich ihn im letzten Jahr schon einmal fangen durfte da hatte er ein Gewicht von 15,5 kg. Ich brachte die Ruten Abends ein letztes Mal heraus und wir legten uns früh schlafen. In der Nacht fing ich noch einen Schuppi von 10 kg.

Am Morgen ging es bereits früh los für uns und wir fuhren um 10 Uhr ab. Zwischenstopp machten wir in Trier nach 900 km fahrt und übernachteten dort im Hotel Sonne gute Unterkunft 75 € für das Doppelzimmer inklusive Frühstück war mehr als fair. Die restlichen 300 km fuhren wir am anderen Morgen frisch Geduscht und gut geschlafen, das war nun nicht mehr die große Nummer und wir erreichten gegen Mittag unser Ziel! Am Ende war es eine tolle Tour mit meiner Tochter. Wertgegenstände wie Handy wurden auch neu beschafft und haben uns zumindest in diesem Urlaub nicht wirklich gefehlt. Es tut auf jeden Fall mal gut 14 Tage kein Internet oder Whats App zu haben , 80 Prozent der Nachrichten sind eh nur Mist gewesen oder zumindest nicht so wichtig das es nicht auch gereicht hätte dies auch in 14 Tagen zu lesen.

Das war sie nun die Tour 2015, kurze Erläuterung nun noch zur Überschrift…

12 Chancen … Jeder Tag am Wasser ist eine neue Chance sein Ziel zu erreichen, denn nur wer Ziele hat kann sie auch erreichen…

Eine Hand voll Glück?... Glück ist das was ein jeder brauch, zum „Glück“ kann man auch dieses steuern und hat Einfluss darauf. Selten hat man so viel Pech das gar nichts klappt, deshalb immer am Ball bleiben heißt das Motto. Sollte dennoch ein Trip mal in die Hose gehen, man hat aber alles versucht ist die Niederlage zumindest aus meiner Sicht nur halb so schlimm…

Fahrt raus reist euch den Arsch auf, macht euch Gedanken, den Lohn werdet ihr bekommen!

Stefan Kischel
Team Mk-Angelsport