Bivvy Session - Karpfenangeln in Südfrankreich

Man fährt sein Geraffel ans Wasser und verlädt alles, was man so braucht. Anschließend fährt man sein Auto ins nächste Dorf, ggf. auf den Parkplatz eines Supermarktes, eines Campingplatzes oder noch besser, man stellt es in unmittelbare Nähe der örtlichen Polizeistation ab. Danach radelt man gemütlich und beruhigt zurück zum Wasser…

Der Plan stand und so ging es erstmal gen Süden. Und wieder kam alles anderes: Nach der ausgedehnten Stauparty vor, in und um Lyon kamen wir erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit in der Gegend um den See an. Wir sollten auf der Landstraße nach einem selbstgemalten Schild mit der Aufschrift „Pedalos“ Ausschau halten. Am Ende des Weges, den dieses Schild auswies, trafen wir mitten im Wald auf die „Kommune 48“, ein bunt zusammen gewürfelter Haufen Althippies, die hier Tretboote und Kajaks vermieteten. Voreingenommen wie man als spießiger Deutscher leider oftmals ist, sondierte ich zunächst die Lage und wurde mit großem „Hallo“, nem kaltem Bier und etwa 10000 Fragen in der Minute aufgenommen. Zeit, Janine aus dem Auto zu holen!

Nils war hier bereits bekannt und so trug man uns auf, „den großen deutschen Angler“ zu holen - heute könne man nicht mehr angeln. Es wäre eh zu spät und außerdem ist heute Party und wir sind eingeladen… Wir taten wie uns geheißen und in der inzwischen einbrechenden Nacht wurden uns frische Pommes serviert. Wir müssten ja schließlich völig ausgehungert sein, nach der langen Fahrt. Gott weiß wo sie die Fritteuse hergezaubert haben und erst recht den Strom dafür. Aus dem lachen und erzählen wurde irgendwann ein spontanes Konzert am Seeufer, als jemand seine Gitarre „entdeckte“ und zu spielen begann. So wurde die halbe Nacht gesungen, Gitarre gespielt, gelacht und erzählt. Irgendwann schliefen wir auf unseren Liegen unter der Kofferraumklappe unseres Bullis ein…

Das wir an diesem Abend weder fischten, noch das wir das Auto für die Zeit an diesem See irgendwo hin fahren mussten, steht wohl außer Frage. Ein paar Tage und leider nur einen verlorenen Fisch später entschieden wir uns dennoch, den See und seine Hippies zu verlassen, irgendwo Richtung Zentralmassiv und damit quasi schon auf dem Weg „nach Hause“. Nils würde den Rest des Urlaubs mit uns Fischen, bevor er weiter nach Italien ziehen würde. Da er aber erst frisches Futter von einem Freund im Rhonedelta abholen musste, brachen wir zunächst in unterschiedliche Richtungen auf. Außer einem schlechten Handybild einer unpräzisen Karte der Nachtangelzonen und ein paar umliegenden Ortschaften hatten wir keinerlei Informationen über diesen See. Auf der Autobahn kamen wir sehr gut durch. Doch in meinem schieren Trieb voran zu kommen ließ ich eine um die andere Tankstelle liegen, bis ich fast auf Reserve runter war. Immerhin sagte das Navi die nächste Tanke bereits in 30km vorraus - leider war diese Tankstelle nicht länger existent und nachdem die rote Lampe mich 15minuten lang angeleuchtet hat, wurde ich langsam nervös. Immer und immer wieder sagte ich zu Janine; „Die nächste Ausfahr fahren wir raus, dann kommt sicher `ne Tanke.“

Doch die Ausfahrt kam einfach nicht. Ich fuhr nur noch 80km/h um ein wenig Sprit zu sparen, als endlich eine Rastanlage mit Tankstelle auftauchte. Wenn man 78 Liter Diesel in einen 80 Liter Tank laufen lässt, dann wurde es, grade bei einem vollgeladenem Auto „langsam“ Zeit. Endlos schienen sich die Landstraßen im Anschluss ziehen zu wollen während sie kontinuierlich enger wurden, doch der Anblick der sich auftat als der Wald sich lichtete und über eine Landzunge hinweg den Blick auf das Wasser frei gab, war einfach gigantisch. Da konnten auch die Motorboote, Jetski und Wasserskifahrer nichts dran ändern – hier werden wir bleiben. Kein Schlamm, warmes klares Wasser, Schattenplätze und Sonne. Was kann man sich nur mehr wünschen? Nils traf im dunkelwerden ein. Doch dieser Kerl ist Angler durch und durch – nach weit längerer Fahrerei, in der einsetzenden Dämmerung, baute er noch seine Ruten auf und brachte diese auf Plätze die ihm erfolgsversprechend erschienen während ich die Merguez-Würstchen für alle bruzzelte. Die ersten 2 Nächte verliefen auch hier ohne Fisch und so machten Nils und ich uns auf, einzukaufen, die anderen Nachtangelzonen zu finden und ggf. ein wenig zu erkunden.

Dass es dabei nur dem geringen Budget französischer Dorfsheriffs geschuldet ist, das es nicht zu einer Verfolgungsjagd kam, sei nur am Rande erwähnt. Merken; Auch in Frankreich gibt es eine Gurtpflicht und schneller fahren als die Schilder das sagen, darf man auch nicht… Die anderen Nachtangelzonen machten unserer Meinung nach nicht all zu viel her, und so entschlossen wir uns, noch eine Nacht am alten Platz zu bleiben und am nächsten Morgen neu zu Würfeln. An diesem Abend brachte ich, nachdem der Bootsverkehr etwas nachgelassen hatte, eine Rute quer über den See „in die Steilwand“ wobei ich ein weiteres Schild, das auf eine Nachtangelzone hindeutete, ausmachen konnte. Über 350m, quer durch einen stark befahrenen See mit einer 0,17er „Visible Touch“, einem quasi schwerelosem Geflecht zum Fischen bei starken Hindernissen zwischen Spot und Ufer, das war schon grenzwertig – sinken tut da nichts und so tauchte ich einen Stein an einer Büroklammer als Backlead am eigenem Ufer runter. Folglich war ich den Rest des Abends damit beschäftigt, den Swinger nach zu spannen – Slackline auf dieser Entfernung? Keine Chance! Um das ganze ab zu kürzen – zwischen einer Stunde vor Sonnenuntergang und dem Frühstück am nächsten Morgen fing ich 3 gute Fische und somit war klar wo wir hin mussten. Die Boote waren schnell bepackt und wir waren wieder einmal „on the move“.

Die Stellenauswahl in der Nachtangelzone in der Steilwand war „etwas“ begrenzt und so bauten Janine und ich unser Camp auf 3 Etagen auf, während Nils etwa 50m weiter versuchte, seine Sachen in den Fels zu kriegen. Wer in solchen Situationen nicht ein gehöriges Maß an Improvisationstalent und ausgereifte Ausrüstung auf die man sich verlassen kann mitbringt, ist aufgeschmissen… Während wir zusammen aßen bekam ich den ersten Biss, ein Spiegler um 15kg. Natürlich war mein Burger kalt, als ich alles wieder gerichtet hatte und genau so natürlich ließ Nils es sich nicht nehmen, eine weiter Fuhre auf zu Tischen. Danke dafür! Dieses mal bekam ich 2 oder 3 Bissen des noch heißen Burgers, bis der nächste Pieper um Hilfe schrie. Glücklicherweise verbannt ein alter Trampelpfad unser beiden Camps, sodass ich ohne größere Probleme schnell hin und der laufen konnte – einzig der Abstieg zu den Ruten, immerhin ca. 9m, über 2 große Baumwurzeln, Felsen und loses Geröll war ein wenig gewöhnungsbedürftig. Hätte ich gewusst, wie oft ich an diesem Abend den weg noch laufen sollte - ich wäre unten geblieben.

Die Nacht brachte weiter Fische, wenngleich die Bissfrequenz deutlich abflaute. Tagsüber blieben die Bisse komplett aus, wir verbrachten die Zeit mit Baden, in der Sonne dösen und Spinnfischen. Eigentlich war ich mir sicher, dass die Karpfen weiter gezogen sein würden, doch am späten Nachmittag wurde ich eines besseren belehrt – wieder ging eine der beiden „linken“ Ruten los – die selben Ruten die am Vorabend die Bisse brachten. Im Verlaufe diesen Abends begann ich damit, kleine Steinchen von einem Haufen auf den nächsten zu werfen – für jeden Fisch einen – beim Zählen kam ich sonst durcheinander . Durch die Bank konnte ich Spiegelkarpfen fangen, alle zwischen 15 und 18kg schwer, doch die richtigen „Brummer“ blieben aus… Für den letzten Abend wollte ich es also noch einmal wissen und bestückte eine Rute mit einem einzelnen 30mm Holi-Rhone-Liver Boilie und eine mit einem 30mm Holi-Rhone-Liver + einen 20mm PopUp. Die anderen beiden Ruten blieben mit jeweils einem 20mm „Piece of Cake“ bzw 3 aufgepoppten Tigernüssen so, wie sie waren. Der Plan ging zunächst auf, der Piece of Cake und auch die Tigernuss rechts außen fanden ihre, wie geklont anmutenden Abnehmer, die großen Pillen blieben dagegen still auf den Futterplätzen, die die letzten beiden Abende so reichlich Erfolg brachten, liegen. Alles oder nichts – das war der Plan. Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, war es bereits an der Zeit, die Sachen für den Heimweg zu verpacken. Da wir aber die Zeit auf unserer Seite hatten, war ich grade auf eine letzte Tasse Kaffee bei Nils am Platz, als eine der linken Ruten sich meldete. Mitten am Tag, auf einen wirklich großen Köder – das war anders als bisher und so rannte ich in großer Erwartung zu meinem Platz zurück, wo Janine bereits den Drill aufgenommen hat. Da ihre Schulter- Op noch nicht all zu lange her war, übergab sie mir die Rute und leistete, wie schon so oft, Hilfestellung: Schnüre aus dem Gefahrenbereich des E-Motors bringen, dem Boot ´nen Schubs geben, was auch immer. Also los – Kontakt ist da, der Fisch geht auf tiefe, schnell mit aller Kraft des Motors hinterher um direkt über ihn zu kommen.

Die scharfen Felsen können echtes Gift für die Schnur sein, doch es klappt im wahrsten Sinne des Wortes reibungslos. Doch irgendwie geht alles viel zu schnell , zu leicht, nicht wuchtig genug… Was dann an die Oberfläche kam - Tja, das war mit 12kg der kleinste Fisch des Urlaubs auf den größten Köder der Woche. So viel also zur Selektion über Ködergröße ;-) Als ich den Fisch grade abhaken will, geht die Klingel an der anderen Rute mit dem „Bigball“ und Janine beginnt den Drill. Mit ihrer Schulter im Hinterkopf hieve ich den Fisch schnell ins Boot auf die zweite Matte und quäle den Motor auf Teufel komm raus. Der Bug der Banane knirscht auf Sand und Fels, der Karpfen kommt schnell in die Floating Weightsling und dann ab ins Wasser, dort ist er auf jeden Fall besser aufgehoben als auf jeder Matte dieser Welt.

Doch Janine packt der Ehrgeiz und mit einem „das ist nur`n Spritzer, das kann ich schon selber“ werde ich zum Kescherknecht degradiert. Alles gelingt, wie es gelingen soll und ein weiterer kleiner Spiegler, diesmal mit 8kg, konnte dem großen Köder für die „ganz Dicken“ nicht wiederstehen. Zur Belohnung gibt es ein schnelles Gemeinschaftsbild mit uns beiden und unseren beiden Fängen. Könnte ein Urlaub, ein Sommer Trip zum Karpfenangeln, schöner zu Ende gehen? Es müssen nicht immer die ganz großen Fische sein oder die berühmten Lowstock-Gewässer der Szene. Das Erlebnis zählt, das kann uns und euch niemand nehmen!#

Auf die Freiheit, auf die Freundschaft und auf die Liebe

Cheers Jan und Janine Grashoff

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