Bivvy Session: Karpfenangeln Frankreich

Kleiner Zwischenstopp in Dortmund bei Janins Papa und weiter ging es… Ach ja die Blitzer in Köln funktionierten auch hervorragend und die ersten 15 Euro waren zum Fenster rausgeschmissen. Na ja, so ist das halt… Wir zogen durch bis Frankreich, noch ein kleiner Stopp in Luxemburg zum Tanken, dann erreichten wir unseren Zielort um 14 Uhr nach 1.250 Kilometer. Ein guter Freund war bereits schon am Freitag angereist und wir konnten erstmal einen Kaffee vor Ort trinken, Janine versorgte im Gegenzug seine Platzwunde am Kopf, die er sich durch ein Missgeschick zugezogen hat.

Nach kurzem Talk ließen wir den Anhänger bei ihm am Platz stehen und fuhren los um uns die Karten zu holen… An dieser Stelle: »Bestellt die Scheiß Karten immer online unter www.cartedepeche.fr!« An dem Tabakladen wo wir 2012 noch Karten kaufen konnten, war jetzt nichts mehr zu machen. Keine Karten, ab ins nächstgrößere Örtchen. Der Lauf gegen die Zeit begann. Es war bereits Samstagmittag 15.00 Uhr, jetzt aber Vollgas… Polizei fragen… Polizei sagt: »Sportgeschäft da müsst ihr hinfahren…« Sportgeschäft alles klar! Am Sportgeschäft angekommen war nix mit Karten! Allerspätestens jetzt hatte ich 1.000-Puls. Angelladen beim Supermarkt, zwei Kilometer entfernt… Das war die letzte Auskunft, die wir bekamen!

Ja nun war es bereits 16.00 Uhr. Wenn die um 16.00 Uhr zumachen, ist nix mehr mit Fishing! Ich habe uns da schon sitzen sehen. Schön die Latten am Ufer und bis Montag warten… Alleine der Gedanke war schon so schlimm dass ich hätte kotzen können! Nach toller Kommunikation mit diversen Franzosen fanden wir um 17.00 Uhr dann doch noch den Angelladen und das Ding hatte noch auf. Was ein Wunder… Puls wieder runter, alles gut… Gott sei Dank, sah Jan das wenigstens entspannt! Noch schnell das Nötigste bis Montag eingekauft und ab ans Wasser! Anhänger abholen und entladen ging im Eiltempo. Der Spot wurde begutachtet. Jan fischte die erste Nacht rechts heraus einen Flachwasserbereich, sowie die Fahrrinne.

Flussangeln in Frankreich

Ich befischte die linke Seite. Einen Totholzbereich, das Flachwasser und auch die Fahrrinne. 21.00 Uhr, der Bereich war ausgelotet und die Ruten im Wasser. Der Abend verlief ohne Aktionen und erst am frühen Morgen um 4.00 Uhr meldete sich mein Bissanzeiger das erste Mal. Kurze Zeit später konnte ich den ersten Schuppi der Tour auf die Matte legen. Knappe sieben Kilo brachte er auf die Waage. Rute raus, und bereits um 6.00 Uhr kam der nächste Lauf. Dieses Mal im Flachwasser.

Nach kurzem Drill konnte ich auch diesen Fisch sicher landen. Neun Kilo und die ersten Fischkontakte waren da. Bei Jan lief die Nacht über nichts und gegen Mittag beschloss ich, meinen Platz an ihn abzutreten und einen Kilometer weiter Fluss aufwärts zu fischen. Da sich die Fische momentan nicht, wie erwartet, im Flachwasserbereich aufhielten, war das die beste Lösung. Am frühen Abend hatte ich meine Ruten an den von mir gewählten Plätzen platziert, und die Nacht konnte kommen.

Am frühen Montagmorgen wurde ich nicht, wie erhofft, von meinen Bissanzeigern geweckt, sondern vom Lärm schwerer Maschinen und LKW. Straßenarbeiten auf einem Feldweg, na Super ! Neben den Straßenarbeiten wurde auch noch Treibholz und Unrat entfernt und ich ahnte Böses. Genau neben meinem Zelt lag ein vier Meter langer Baum! Naja, der freundliche Baggerfahrer erklärte mir mit Händen und Füßen, dass das Ding da auch noch weg muss! Ich sollte aber ganz ruhig bleiben. Er würde das schon machen. Ich hatte den Baum schon auf meinem Zelt liegen sehen und dachte mir die letzten Momente meines Bivvys noch an Hand von ein paar Bildern festhalten zu wollen.

Bivv vs. Bagger

Glücklicherweise ging dann doch alles gut. Der Baggerfahrer bekam von mir noch ein Gefällt mir-Zeichen zugeworfen und ich konnte mich wieder aufs Fischen konzentrieren. Doch es passierte nichts. Jan kam am frühen Abend rüber und berichtete mir von seinen Fängen, die aber auch überschaubar waren.

Er konnte einen Karpfen von acht Kilo und einen Wels von 140 cm fangen! Der Wels hatte beim Ablegen die Montage gleich ein gesaugt und Jan schaute nicht schlecht als neben seinem Haken auch noch ein Einzelhaken und eine Knochenmontage zum Vorschein kamen. Gut das Jan das Tier von diesem Klumpen Schnur und Haken befreien konnte. Wir beschlossen morgens um 4.00 Uhr aufzubrechen und zu moven wenn sich hier nicht wirklich was tun würde. Zudem sagte uns ein befreundeter Franzose, dass Sturmwarnungen, mit mehr als 90 Sachen, für diese Region ausgesprochen wurden und das wollten wir uns nicht wirklich geben.

Bis zum Morgen passierte nichts mehr, somit packten wir unsere Sachen und waren um 6.00 Uhr wieder auf der Piste Richtung Westen! Es sollte an einen 100 Hektar großen See gehen. Nach vier Stunden Fahrt erreichten wir unser Zielgewässer. Der Anblick war traumhaft, wie ein Paradies. Nur wussten wir leider nicht viel über dieses Gewässer und mussten zunächst auch erstmal Karten besorgen. Mit unserer Karte durften wir dieses Gewässer nicht befischen. Ich blieb beim Anhänger und Jan und Janine fuhren los und kauften die Karten (Vignette Club Halieutique). Ein wenig machten wir uns Sorgen um den Gesundheitszustand von Janine. Der auslaufende Benzin Kanister im Auto war bestimmt nicht förderlich und als die Beiden, geschlagene drei Stunden später, wiederkamen war sie kreidebleich. Eine fette Sommergrippe steckte ihr in den Knochen und Übel war ihr auch! Glücklicherweise konnten die beiden eine Apotheke in der Nähe finden und Medikamente gegen die Grippe besorgen.

Angellizenzen in Frankreich

Jan erzählte mir von dem Stress mit den Karten. In einem Laden konnten sie heute keine ausfüllen, da keine befugte Person vor Ort war und in zwei anderen Angelläden gab es keine. Der dritte Laden war es nun endlich der uns eine Karte ausstellen konnte und das auch nur weil sich der Besitzer wirklich viel Mühe gab. In Zukunft wissen wir, dass wir die Karten immer im Internet bestellen. Nun ging es los, einen geeigneten Platz für die erste Nacht zu finden.

Wir mussten erstmal schauen das Janine sich gesund schläft. Also keine großen Sprünge, einen kleinen Feldweg hineingefahren und direkt am Wasser aufgebaut so war der Plan. Wieder alles aufbauen, Boot raus , Latten raus. Es war nun schon wieder Abend und für die nächsten Tage hatten wir bereits eine Stelle gefunden! Diese lag am Ende vom See und hatte einen Flachwasserbereich.

Das Thermometer zeigte 18 °C Wassertemperatur somit standen auch hier die Fische vermutlich kurz vorm Laichgeschäft! Die Nacht verlief ohne größere Fischaktion. Am folgenden Morgen ging es Janine schon wesentlich besser. Die starken Medikamente schlugen an und wir konnten Moven. Vom Auto lag dieser Platz ca. 500 Meter entfernt! Das große Tackle schleppen ging somit weiter.

Bivvy packen und moven

Nach geraumer Zeit stand wieder alles, und wir konnten uns endlich dem Loten widmen. Jan fischte vor Hindernissen rechts raus und hatte zudem noch eine kleine Bucht als Hot Spot. Ich versuchte mein Glück im Freiwasser auf der linken Seite mit der Option die große Baumreihe am anderen Ufer zu befischen! Am frühen Abend hatten wir alles am Start. Gemütliches Abendessen stand auf dem Programm. Hamburger sollte es geben und eine leckere Flasche Rotwein, gegen den Stress der letzten Tage. Die Laune war nie schlecht, aber eine gute Mahlzeit hebt die Stimmung halt schon um einiges, zumindest vorrübergehend! 24 Uhr Feierabend.

Ich schlief tief und fest und bekam nicht mit, dass Jan in der Nacht um 2.00 Uhr einen Lauf bekam. Dieser stieg kurz vor dem Kescher nach 20 Minuten Drillzeit aus. Ein Aufschrei ging durch die Nacht! »So eine Scheiße das darf doch nicht wahr sein, Fu**« Es dauerte nicht lange bis sich Janine zu Wort meldete: »Was ist?« » Ich hab’nen Fisch verloren…« »Alter spinnst du hier so rumzuschreien? Du bist doch nicht ganz dicht. Das alles nur wegen eines Fisches. Ich dachte du hättest dir wer weiß was getan!«

Jan erzählte mir am Morgen diese Story und sagte, dass es ein richtig guter Fisch war, den er verloren hat. Scheiße… Naja, da machst du halt nichts dran! Wir hatten noch ein paar Nächte Zeit und waren fest entschlossen das Ding auszusitzen und auf die Fische zu warten. Die Tage vergingen, aber es passierte, bis auf ein paar Weißfischaktionen, nichts mehr! Samstagmorgen beschlossen die Beiden einkaufen zu fahren. Ich wollte für eine Nacht einen anderen Platz befischen und wartete auf die Rückkehr! Als die beiden wiederkamen berichtete Jan mir von seinem Plan. Er wollte für die letzten drei Nächte noch mal moven!

Ich stimmte ihm zu und so begann das Spiel vom packen, abbauen, 180 Kilometer fahren und Aufbau. Näheres dazu jetzt nicht nochmal. Soviel sei aber gesagt, es ging weiter an einen großen bekannten Stausee! Kurz noch einmal mit Jans Kumpel Nils telefoniert, der uns, was diese Tour anbelangt, wirklich mit vielen Infos versorgen konnte und uns einen Tipp gab, wo wir das Auto stehen lassen sollten. Nun ging es mit gepacktem Boot auf eine Insel die ca. 50 50 Meter groß war! Plätze waren auch schnell gefunden.

Karpfenangeln an Stauseen

Jeder fischte vor Hindernissen (versunkene Bäume) im Freiwasser bzw. der alten Fahrrinne und im Flachwasser! Perfekt, es war nun auch schon wieder 23.00 Uhr und wir tranken noch ein Feierabendbier. Wir wollten die Runde gerade auflösen, da bekam ich einen Lauf im Flachwasser in zwei Metern Tiefe!

Nach kurzem Drill konnte ich einen kleinen Schuppi abschöpfen! Die Nacht verlief nun ohne weitere Aktion und am frühen Sonntagmorgen wurde ich durch einzelne Pieper aus meiner Funkbox geweckt. Ich schaute aus meinem Zelt und dachte ich wäre im falschen Film! Alles voller Boote. Nur Spinnfischangler, einer in meiner Distanzrute bereits verhakt, gab mir seinen Unmut lauthals zu verstehen. Sauber! So sieht Urlaub aus, dachte ich bei mir!

Genau so sah es auch bei Jan aus. Ihm erging es nicht viel besser. 11.00 Uhr, die meisten Raubfischangler waren nun vom See verschwunden und ich bekam den nächsten Lauf. Vom Gefühl her war dieser eine Nummer besser, was uns die Waage auch kurz danach bestätigte. Ein schöner langer TorpedoSchuppi konnte abgelichtet werden! Der Tag plätscherte so dahin und es war bereits früher Abend und ich verabredete mich zu 19.00 Uhr mit meiner Frau zum telefonieren.

Den Hörer gerade abgenommen und im Gespräch vertieft, lief meine Distanzrute erneut ab, aber leider stieg dieser Fisch aus. Telefonieren und drillen klappt halt nicht so gut! Ich ärgerte mich, weil dieser Fischverlust unnötig war. OK, Telefonat beendet, Rute erneut raus! Die Nacht brachte keine weitere Aktion. Nur der Wind wurde heftiger und ein Unwetter nahte. Am frühen Morgen hörte ich bereits wie heftiger Regen gegen mein Zelt prasselte. Montagmorgen, der letzte Tag brach an. Jan und Janine fuhren nochmal los um ein paar Dinge einzukaufen. Ich brachte sie um 11.00 Uhr, mit dem Boot die gut 500 Meter von der Insel, rüber zum Festland. Am Abend sollte es Reispfanne mit Hähnchenbrust geben!

Der Regen hörte nicht auf, meine Klamotten waren total nass. So saß ich nun um 12.00 Uhr wieder in meinem Zelt und wartete auf die Rückkehr. 12.30 Uhr nächster Lauf. Mit den nassen Klamotten raus aus dem Zelt, Rute aufgenommen, hängt. Fünf Minuten später lag auch dieser Fisch sicher im Netz mit zehn Kilo. Ein wohl eher kleiner Fisch aus diesem Gewässer. Rute erneut raus. Die Falte schwankte verdächtig hin und her, rauf und runter, das Regenwasser lief mir in die Stiefel. So eine Scheiße. Es war nun 13.30 Uhr, die Montage lag und ich hockte in meinem Zelt.

Ohne Bivvy geht nix...

Alle Unterlagen mussten erstmal getrocknet werden. Auch sie sind dem Unwetter zum Opfer gefallen! Klamotten tauschen? Keine Chance, die letzten Sachen mussten für die Heimfahrt bleiben. 14.30 Uhr Full Run… Mit dem Sturm kamen auch die Fische. Die Bisse kamen nun viel schneller. Der Drill war echt ne Nummer, immer und immer wieder wollte der Fisch ins Totholz, doch der Haken saß perfekt, kurz vorm Kescher sah ich ihn das erste Mal. Ein Spiegler, geil. Alles lief glatt und der Fisch lag im Netz, 16 Kilo plus. Ich war Happy!

So nahm die Tour vielleicht doch noch ein glückliches Ende… Aber jetzt mussten wir schauen, dass auch Jan noch seinen Fisch fängt!

Das Telefon klingelte um 15.00 Uhr und ich holte die beiden wieder ab. Bereits auf dem Weg erzählte ich von den Fängen und wir beschlossen Jan`s linke Rute rüberzuholen auf meine Seite, weil seine rechte Seite tot war. Alles war angerichtet und um 17.00 Uhr lagen alle acht Montagen wieder im Wasser. Derweil hörte es auf zu Regnen und ich konnte mich endlich umziehen. 19.00 Uhr, Jan bekam jetzt nun auch seinen Lauf, der leider in einem einzeln stehenden Baum verloren ging. Die Stimmung war mal richtig Scheiße. Jan schlug mit beiden Fäusten auf die Bretter der Banane, aber es half ja nichts.

Nur noch wenige Stunden bis zur Abfahrt und wieder raus die Montage. 21.30 Uhr, wir hatten gerade gegessen. Nächster Lauf auf Jan`s Rute. Nun zum zweiten Mal die Latte, die auf meiner Seite lag. Diesmal ging alles glatt. Kurz vorm Abschöpfen hörten wir Janine aus dem Zelt rufen. Ich drehte mich um, schaute Richtung Zelt und erblickte eine meiner Ruten, wo die Rolle bereits am Bissanzeiger klebte. Doppellauf!! Jan konnte seinen Fisch sicher landen und Janine blieb bei der Matte und dem Fisch! Jan flitzte über die Insel und holte den zweiten Kescher. Nein schon zu spät. Der Fisch hatte sich bereits in Unterwasserhindernissen fest gelaufen. Also rein in die Falte, ab zum Spot. Doch das alles brachte nichts. Der Fisch stieg aus und konnte Gott sei Dank ohne Montage frei schwimmen! Zurück am Ufer begutachteten wir den Fisch von Jan, und? Es war auch ein Spiegler und auch dieser wog mehr als 16 Kilo.

Wir konnten einige schöne Nachtfotos machen und waren mit uns im Reinen. Ein letztes Mal brachten wir die Montagen zusammen raus, es war nun 24.00 Uhr und wir gingen Schlafen. Der Wecker sollte bereits um 6.00 Uhr klingeln, doch dazu kam es nicht. Der Wind drehte und packte unter mein Zelt und hebelte die Heringe aus dem Boden. Es war gerade mal 4.00 Uhr und ich stand mit aufgeklapptem Zelt da… Sorry, aber nach Fotos schießen war mir irgendwie nicht zumute. Ich versuchte zu schlafen. Das klappte aber nicht mehr wirklich und um 6.00 Uhr packten wir ein und machten uns auf die Socken.

Völlig platt kam ich um 23.30 zu Hause an. Was ein Trip! Jan und Janine mussten noch weiter, bis nach Bremen und hatten noch zwei Stunden Fahrt vor sich, kamen aber auch heile an. Somit alles gut. Die ganz großen Fische blieben leider aus, dennoch wurden wir letzten Endes mit Fisch belohnt. Eine schöne, aber anstrengende Tour ging somit zu Ende!

Stefan Kischel
Team MK-Angelsport